Wie berechnet man den Overround? Wie bereinigt man die Wettquoten um diesen?


Als Overround bezeichnet man die Gewinnmarge der Buchmacher. Overrounds variieren und liegen oftmals bei etwa 4 bis 7%, je nach Buchmacher.

Auch wenn Buchmacherquoten nicht notwendigerweise immer die erwartete (wahre) Wahrscheinlichkeitsverteilung repräsentieren, kann es manchmal für diverse Kalkulationen notwendig sein, den ‘Overround’ herauszunehmen.

Was bedeutet Overround?


Oddsportal Wettquoten Russland v Portugal

Der obige Screenshot zeigt ein paar Buchmacherquoten für das Spiel Russland gegen Portugal (Oddsportal). Man kann sehen, dass die Quoten für einen Heimsieg zwischen 2,50 (niedrigste Quote) und 2,95 (höchste Quote) schwankten.

Die Durchschnittsquote im Markt für dieses Spiel betrug zum Zeitpunkt des Screenshots 2,67
(Achtung! Dies ist nicht der Durchschnittswert der in der Abbildung angezeigten Wettquoten. Der Screenshot zeigt nur 8 Buchmacher. Die Durchschnittsquote berechnet sich aus den Quoten aller Buchmacher in Oddsportal.)

Die im Markt angebotene Höchstquote für einen Heimsieg lag bei 2,95 (Marathonbet).

Rechnet man diese Quoten in Wahrscheinlichkeiten um, so ergibt sich folgende Tabelle:


Umrechnung Wettquote zu Wahrscheinlichkeit: 1 geteilt durch Wettquote

Addiert man die in Wahrscheinlichkeiten konvertierten Wettquoten, findet sich nicht eine einzige Zeile, welche eine Summe von genau 100% ergibt.

Bei Expekt beispielsweise addieren sich die Wahrscheinlichkeiten zu 108%, d.h. dass Expekt diesen Markt mit einem Overround von 8% bedient hatte.

Bei Marathonbet betrug der Overround 2,5%. Bei den höchsten Wettquoten gab es einen negativen Overround von -1%. Dies war eine Arbitragegelegenheit.

Welche der Buchmacherwettquoten repräsentieren die erwartete Wahrscheinlichkeitsverteilung am Besten?

Beschäftigt man sich etwas näher mit der obigen Abbildung, wird man feststellen, dass nicht nur die Overrounds, sondern auch die durch die Wettquoten repräsentierten Wahrscheinlichkeiten stark voneinander abweichen.

Es kommt daher schnell die Frage auf, welche von den durch die Wettquoten repräsentierten Wahrscheinlichkeiten den wahren Wahrscheinlichkeiten am nächsten kommen?

Die 40% für einen Heimsieg bei Expekt, oder die 33,9% bei Marathonbet, oder der Marktdurchschnitt von 37,5%?

Die Antwort ist etwas verwirrend: Keine, einige oder alle.

Man muss sich bewusst sein, dass Buchmacher nicht unbedingt das Ziel haben, die erwartete Wahrscheinlichkeitsverteilung möglichst korrekt voraussagen. Hauptziel von Buchmachern ist das Balancieren ihrer Bücher. Wettquoten werden daher immer an die Nachfrage angepasst. Durch die Berücksichtigung der öffentlichen Meinung in Buchmacherwettquoten, widerspiegeln diese ziemlich oft nicht die wahre statistisch-mathematisch erwartete Verteilung.

Im Beispiel des Spiels Russland gegen Portugal betrug die wahre Wahrscheinlichkeit für einen Heimsieg 36,7%. Der Marktdurchschnitt war somit am nächsten dran an der tatsächlichen Erwartung (37,5%).

Dies war jedoch nicht der Fall für die Wette auf einen Portugal Sieg. Der wahre Erwartungswert betrug 25%, bei den Buchmachern gab es diese Wette jedoch für Wahrscheinlichkeiten zwischen 33,1% und 38,2%.

Zur Hinzunahme der öffentlichen Meinung durch die Buchmacher kommt noch hinzu, dass die Datensätze, auf welchen Berechnungen basieren enorm klein sind und damit die Varianzen riesig.

Das Ausrechnen von Wahrscheinlichkeiten bei Sportergebnissen geht immer nur näherungsweise. Es wirken viele im Einzelnen nicht isolierbare Einflüsse zusammen. Es gibt stets einen ‚Spielraum‘ und keine Eindeutigkeit.

Von daher ist es ziemlich egal, welche Buchmacherquoten man für Kalkulationen benutzt, da Berechnungen, welche auf Buchmacherquoten beruhen, vom Prinzip her immer sehr ungenau sein werden. Wichtig ist nur, dass man man alle seine Berechnungen immer mit demselben Ansatz durchführt, d.h. stets mit den Quoten vom selben Buchmacher, oder immer mit dem Durchschnitt oder den Höchstquoten.

Herausrechnen des Overround

Will man aus den den Wettquoten der Buchmacher den ‘Overround’ rausnehmen, müssen Wettquoten/ Wahrscheinlichkeiten um folgenden Faktor angepasst werden:

1 geteilt durch (1/Heim Wettquote + 1/Unentschieden Wettquote + 1/Auswärts Wettquote)
– alternative Formel –
1 geteilt durch (1 plus Overround)


Gegenüberstellung der Wahrscheinlichkeiten mit und ohne Overround

Die obige Abbildung zeigt auf der linken Seite die von Buchmacherquoten konvertierten Wahrscheinlichkeiten. Um auf die Ergebnisse in der rechten Hälfte zu kommen wurden diese einfach nur mit dem Anpassungsfaktor multipliziert.

Gegenüberstellung der Wettquoten mit und ohne Overround

Diese Abbildung stellt die Buchmacherquoten und die um den ‘Overround’ bereinigten Quoten gegenüber.

Wofür lassen sich um den Overround bereinigten Wettquoten verwenden?

Das Herausnehmen des Overrounds kann manchmal (eher selten) für Kalkulationen notwendig sein. Beispielsweise, wenn man die tatsächlich beobachtete Verteilung mit den Buchmacher-Wahrscheinlichkeiten vergleichen möchte.

Ansonsten braucht man diese Bereinigung eher nicht. Denn der Overround und die um diesen bereinigten Wettquoten lassen keinerlei Aussage zum Value einer Wette zu, oder eine Aussage zur tatsächlichen Chance, dass ein Team gewinnt oder verliert. Für eine qualitative Wettaussage ist der Overround wie auch dessen Bereinigung völlig irrelevant.

Selbst für die Abschätzung der relativen Stärke von Teams ist keine Bereinigung des Overround notwendig. Man erreicht das selbe Ergebnis, indem man 2,5 durch 2,8 teilt (Expekt Heimsiegquote geteilt durch Auswärtsquote), oder 2,7 durch 3,02 (die um den Overround bereinigten Quoten).

Das Ergebnis für beide Gleichungen: 0,892857

Für manche Berechnungen ist es sogar schädlich, den Overround rauszunehmen. Beispielsweise für die Simulation der Heim-Unentschieden-Auswärts Gewinne/Verluste. Würde man hierfür den Overround rausnehmen, rechnet man dann Gewinne mit permanent zu hohen Wettquoten durch, welche es im Markt in Wirklichkeit gar nicht gibt.

Außer für ein besseres Verständnis des Marktes ist das Bereinigen der Buchmacherwettquoten um den Overround nur sehr selten notwendig.

In Kombinationswetten wirkt der Overround als Hebel für Buchmacher und garantiert höhere Gewinnmargen.


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enträtselung der mathematik von buchmachern

Last Update: 13 Oktober 2012

Kategorien:Lernzentrum Wettquoten Kalkulation



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