Valuewetten vs. Bauchgefühl


Einige Sportwettbegeisterte werden mit der Überschrift alleine nicht viel anfangen können und fragen sich, was hat das bloß mit Sportwetten zu tun!

Ich nehme die Antwort vorweg, eine ganze Menge – wahrscheinlich sogar alles!

Die häufigsten Sportwetter platzieren ihre Auswahl der Wetten auf einem Tippschein für Sportwetten genauso wie die Lottospieler die Zahlen auf ihrem Lottoschein. Und zwar ohne Sinn und Verstand!

Auf dem Lottoschein werden willkürlich sechs oder mehr Zahlen angekreuzt und auf dem Wettschein werden innerhalb kürzester Zeit willkürlich Spielbegegnungen ausgewählt, über die man sich im Vorfeld überhaupt keine Gedanken gemacht hat – geschweige denn davon wusste, dass diese Spiele gerade anstehen!

Traditioneller Buchmacher WettshopBild: AISPIX by Image Source (Shutterstock)

Was einem bei der Auswahl der Lottozahlen grad so einfällt, wird angekreuzt. Sei es das Geburtsdatum der Frau, der Kinder oder des Haustieres. Bei der Auswahl der Sportwetten sieht es ähnlich aus. Es wird natürlich auf kein Geburtsdatum gesetzt, aber auf die Mannschaften, die einem genauso nahe stehen.

Das können Mannschaften sein, die im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, wie z.B. Bayern München, Barcelona, Real Madrid oder Manchester United, oder auch die Mannschaften die einem Nahe stehen, deren Fan man ist und mit denen man mit fiebert.

Warum sollte man gerade diese Teams nicht auf seinem Tippzettel ankreuzen und gleichzeitig auch den Einsatz möglichst hoch halten? Und was spricht eigentlich dagegen, diese Spiel nicht auch in einer Kombi zu spielen, damit der mögliche Gewinn deutlich gesteigert werden kann?

Die Antwort ist: Leider ist das nicht so!

Es geht bei einer Sportwette nicht darum, welchen Stellenwert eine Mannschaft allgemein in der Gesellschaft einnimmt, wie erfolgreich sie ist oder war und ob sie gewinnt oder verliert! Es geht viel mehr darum, welche Quoten werden für die drei möglichen Ereignisse, Heimsieg, Unentschieden und Auswärtssieg von einem Buchmacher oder einer Wettbörse angeboten. Die Hauptrolle im Wettgeschäft spielen nur die Quoten und nicht die Mannschaften!

Natürlich wäre es dann angebracht, immer die höchste Quoten zu kaufen, damit man auch regelmäßig Gewinne einfährt. Aber leider funktioniert das nicht! Hohe Quoten bedeuten nicht immer auch hohe Gewinne. Um erfolgreich zu sein, steckt noch einiges mehr dahinter, als nur das!

Die Quote, auf die ich setze, muss value sein!

Value bedeutet Nutzen oder Wertigkeit. Ein value bet bedeutet demnach, dass der Tipp besonders wertvoll ist, er einen hohen Nutzen bringt und das er das beste Preis-Leistungsverhältnis erzielt. Als value bet bezeichnet man Sportwetten, die im Gegensatz der eigenen Einschätzung der Quote, durch die Buchmacher zu hoch bewertet werden.

Einfacher gesagt, der Buchmacher bietet für ein Wettereignis eine zu hohe Quote an, weil er die Wahrscheinlichkeit eines Ergebnisses unterschätzt. So kann auch eine kleine Quote von beispielsweise 1,12 value sein.

Vielleicht dann, wenn Du mit deiner Frau, deinen Kindern, Großeltern und Verwandten gegen den FC Bayern München antreten würdest. Die Wahrscheinlichkeit, dass der FC Bayern dieses Spiel gewinnen wird, liegt bei rund 100%. Das bedeutet (immer die gleiche Ausgangslage vorausgesetzt), dass Bayern 10 von 10 Spielen gegen deine Familie gewinnen wird.

Deshalb wäre bei diesem Spiel eine Quote von 1,12 value (1 / Prozent = Quote = 1 / 100% =1,00). Zugegeben, dieser Vergleich hinkt ein wenig, aber ich denke, man kann dies nachvollziehen und sinngemäß anwenden. Eine Wette ist immer dann value, wenn folgende Formel zutrifft:

1/Quote < Wahrscheinlichkeit des Zutreffens eines Ergebnisses


Wer aber liegt mit seiner eigenen Einschätzung 1. „value“ und 2. auch nahe am Endergebnis des Spiels?

An dieser Frage scheitern die meisten Sportwetter! Nicht nur darum, dass fast keiner weiß, was der Begriff „value“ überhaupt mit Sportwetten zu tun hat!

Wie eingangs geschildert, kommt es darauf an, wie die eigene Einschätzung zu einem Spielausgang in das Verhältnis der Einschätzung des Buchmachers gestellt werden kann. Da die eigenen Einschätzung zu einem Spielausgang immer subjektiv ist, weichen die value Quoten, die ein Produkt aus den eigenen Bewertungen (Estimation) sind, natürlich von anderen Einschätzungen für das gleiche Ereignis ab!

80% aller Punter sind Gelegenheitswetter bei Oddset oder auch bei anderen Buchmachern. 10% sind da schon besser, aber noch nicht gut genug, um zu denen zu gehören, die mit Sportwetten Geld verdienen.

Mit Geld verdienen meine ich nicht die, die mal mit einem Tippschein gewonnen haben. Vielmehr meine ich „Die“, die langfristig, kalkulierend und regelmäßig Gewinne verbuchen – und zwar so viel, dass sie davon ihren Lebensunterhalt bestreiten können.

Es geht weiter auf der nächsten Seite…


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enträtselung der mathematik von buchmachern

Last Update: 6 Oktober 2012

Kategorien:Orientierungshilfe Sportwetten Lexikon



7 Responses to “Valuewetten vs. Bauchgefühl”

  1. Soccerwidow
    10 Oktober 2012 at 1:03 pm #

    Es freut mich total, dass die Fussballwitwe-Community die Autorin dieses Artikels und neue Gastautorin Karin so gut angenommen hat. Danke!!

    Bitte bei den Diskussionen unbedingt im Auge behalten: Karin ist Karin, und Fußballwitwe ist Fußballwitwe. Wir sind beide Damen. Das haben wir gemeinsam. Und wir beide beschäftigen uns mit Valuewetten. Auch das haben wir gemeinsam.

    Das heißt jedoch nicht, dass wir immer dieselbe Meinung zur Herangehensweise haben müssen. Es führen viele Wege nach Rom.

    @ Roman, Du hast in einem Kommentar im Blog zum Artikel Wahre Wettquoten & Value Berechnung: Ligaspiele mit H2H History geschrieben, dass ich “..von anfänglichem rein statistischem Ansatz mich doch in die fussballspezifische Richtung bewege..”

    Das ist Karins Ansatz, nicht meiner. Ich gehe immer noch rein statistisch an die Sache ran, auch wenn es einen Moment des “Abwägens” gibt (wenn es mehrere Valuewetten zur Auswahl gibt, beispielsweise). Karin lehnt auch beispielsweise das Einbeziehen von H2H in die Berechnungen ab, ich nicht.

    Der Blog dient vor allem zum Lernen. Es gibt in Mathe/Statistik/Berechnungen/etc. sehr selten nur einen Lösungsansatz.

  2. kake
    8 Oktober 2012 at 11:34 pm #

    Hallo Karin,

    ein sehr durchdachter Artikel und schön zu lesen.

    Zum Thema, wo man Value Wetten finden kann, denke ich, daß am besten dort zu suchen ist, wo Buchmacher/Wettanbieter gezwungen sind, Quoten in einer gewissen Höhengröße anbieten müssen. Solch ein Beispiel wären Wetten auf das Unentschieden.

    Manche Spiele zeigen ganz deutliche Tendenz (gebackt durch hohe kalkulierten Wahrscheinlichkeiten je nach Methode) für Unentschieden, jedoch sind die Wettanbieter gezwungen, Quoten über 3 zu bieten.

    Dies könnte vielleicht eine Achillesferse für Buchmacher sein.

    • 9 Oktober 2012 at 7:46 pm #

      Hallo kake,

      ich freue mich, dass dir mein Artikel gefällt. Ich denke, der Valueghalt steigt nicht unbedingt auch proportional mit der Höhe der Quote an, denn Value Wetten sind nicht auf eine bestimmte Quote bezogen – so kann auch, wie ich es in meinem Artikel beschrieben habe – eine niedrige Quote value sein. Natürlich gibt es Spiele, in dem ein hoher Valuegehalt auch in der angebotenen Höchstquote zu finden sein wird. Die Buchmacher sind sehr gut vorbereitet und es ist sehr schwer diese zu schlagen. Der Knackpunkt ist, dass wir die Spiele genauer bewerten müssen, als der Buchmacher. Noch schwieriger wird es, da vorab eine gewisse Buchmachermarge mit einkalkuliert wird und somit die Quoten weiter drückt. Mehrwert in dem Sinne erzielt man nur, wenn die Quote des Buchmachers für ein bestimmtes Ereignis zu hoch angesetzt ist. Das kann auch bei einem Unentschieden sein!

      Grüsse
      Karin

  3. LennyK
    8 Oktober 2012 at 5:51 pm #

    Ein schöner Artikel. Die Merkmale, die erfolgreiche Sportwetter haben, bringen es gut auf den Punkt.

    Zum Thema value denke ich dass man nur Variablen mit einbeziehen sollte, die man auch in „objektive“ Zahlen ausdrücken kann. Z.B. ist es sehr schwer verletzte Spieler in die Kalkulation mit einzubeziehen, da man kaum objektiv sagen kann, wie wichtig der Spieler für die Mannschaft ist.

    Ein gutes Beispiel dafür ist der verletzte Mario Gomez.Wie soll man seine Verletzung bewerten?

    Schaut man sich die nackten Zahlen von ihm von den letzten jahren Bundesliga an, sieht er wie ein unverzichtbarer Spieler der Mannschaft aus. Ich halte ihn persönlich für keinen sehr guten Spieler. Nach meiner Einschätzung hat Bayern sogar eine größere Chance ein Spiel zu gewinnen ohne ihn. Deshalb halte ich es wie Soccerwidow und lasse es nicht in die Kalkulation mit einfließen.

    Ich finde auch, dass man die Anzahl der einflussgebenden Variablen so klein wie möglich halten sollte. Aber wie du schon geschrieben hast, jeder hat da seine eigenen Berechnungen.

    Mittlerweile denke ich, dass H2H Ergebnisse kaum einen Einfluss auf das Spielergebnis haben. Hingegegen ist die Form entscheidender.

    • 9 Oktober 2012 at 8:18 pm #

      Hallo LennyK

      danke für dein gutes feedback. Dein Beispiel mit Mario Gomez finde ich sehr gut – zumindest, wie man seine Verletzung im Verhältnis zur aktuellen Spielstärke der Bayern bewerten sollte. Aber – und das ist der Unterschied zwischen einem europäischen Top Team, wie z.B. Bayern, Real, ManU oder auch Barcelona und einem kleinerem Team, wie der 1.FC Köln, welches national in der abgelaufenen Saison ständig gege den Abstieg spielte und mehr schlecht als recht aufgetreten ist. Die Topmannschaften haben zig Topspieler in ihrem Kader und unser kleines Team vielleicht nur einen. Der einzige Topspieler war klar Lucas Podolski, der fast 20 Tore schoss und über 10 Tore vorbereitet hatte. Dieser Spieler konnte in keinem Spiel ersetzt werden und das Team war duch seinen Ausfall klar schwächer als mit ihm. Nun, was ich damit erklären möchte ist, dass es nicht unbedingt falsch ist, auch diesen Umstand in die Berechnung mit einfließen zu lassen – aber nicht, wie du bereits richtig sagtest, bei einem echten Top Team. Dort gibt es genügend Spieler, die gegenseitig ersetzt werden können (siehe dazu aktuell auch Mandzukic, vom FC Bayern)
      Bei der Anzahl der Variablen für eine Berechnung scheiden sich sowieso die Geister und die Auswahl ist immer subjektiv! Ich halte es dabei ähnlich wie du und lasse nicht zu viele Parameter in meine Berechnung mit einfließen – auch kein H2H:-)

      Grüsse
      Karin

  4. Andreas
    7 Oktober 2012 at 1:19 pm #

    Guter Artikel, sehr informativ und verständlich geschrieben.

    • 7 Oktober 2012 at 8:06 pm #

      Hallo Andreas,

      ich bin eine neue Gastautorin bei Fussballwitwe.com und ich freue mich natürlich sehr darüber, dass dir mein erster Artikel gefallen hat. Danke für die nette Bewertung.

      Grüße
      Karin

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