Sind Wettquoten in Wettbörsen immer besser als bei Buchmachern?


Diese Frage ist mit einem eindeutigen JA zu beantworten. Bis auf ganz, ganz wenige Ausnahmen sind die Preise in Wettbörsen immer besser als bei jedem Buchmacher!

Der Grund ist einfach: Sollte ein Preis für irgendeine Wette bei einer Wettbörsen unter den Preis eines Buchmachers fallen, bietet sich unverzüglich Arbitrage an. Das heißt eine Back – Wette beim Buchmacher und ein sofortiges Gegen – Lay auf das selbe Ergebnis in der Wettbörse.

Da es inzwischen zahlreiche Softwareanwendungen gibt, welche Preisschwankungen im Markt automatisch beobachten und sofort reagieren, viel schneller als man als Normalsterblicher Betfair oder Betdaq im Browser überhaupt öffnen kann, sind Preise ‚per Definition‘ in Wettbörsen höher als bei Buchmachern.

Köpfe von Mann und Frau dargestellt als ProzentzeichenBild: Dragana Gerasimoski (Shutterstock)

Nur in kleinen und wenig gehandelten Märkten, welche von Bots nicht heimgesucht werden, mit geringer Liquidität, findet sich hin und wieder mal bei einem Buchmacher ein besserer Preis als bei einer Wettbörse. Arbitrage ist in diesen Fällen jedoch nicht (oder kaum) möglich, weil man für seine Lay – Wette in der Wettbörse wohl keinen willigen Käufer finden wird.

Wie bilden sich die Preise bei den Wettbörsen?

Die Preise bei den Wettbörsen folgen immer den Preisen bei den Buchmachern. Es geht nicht anders. Denn wie weiter oben beschrieben, öffnen sich sofort Arbitragelegenheiten, sollte jemand bereit sein, unter dem niedrigsten Preis eines Buchmachers eine Backwette zu kaufen.

Man muss sich die Preisbildung wie folgt vorstellen:

Große Buchmacher haben eigene Analystenabteilungen, kleinere Buchmacher nutzen den Service von Wettquotenbüros. Dort sind hunderte Mathematiker und Statistiker beschäftigt, die für die Buchmacher Wettquoten berechnen. Die Berechnung erfolgt mittels statistisch-mathematischer Methoden, wie hier im Blog in vielen Artikeln beschrieben und auch im Basic Wettkurs anschaulich erklärt.

Je nach Spiel und erwarteter Nachfrage, veröffentlichen die Buchmacher ihre Wettquoten rechtzeitig vor Spielbeginn. Bei kleineren Ligas gibt’s so eine Woche Vorlaufzeit; Wettangebote auf prominentere Spiele finden sich oftmals etwa einen Monat im voraus.

Betfair öffnet seine Märkte ungefähr eine Woche vor Kick-Off und wenn man sich da mal die Märkte ansieht, sind diese komplett leer, d.h. ohne Lay- oder Backangeboten. In der Regel ‚wacht‘ der Markt erst etwa 2 Tage vor Anpfiff auf. Vorher sind die Börsianer mit anderen Spielchen beschäftigt.

Die ersten Leute, die in Wettbörsen ihre Wetten anbieten, sind Arbers. Die angebotenen Wettquoten zum Backen liegen weit unter Buchmacherpreisen. Die Wettquoten zum Layen sind extrem überhöht. In Betfair – Sprech sagt man dazu, dass da viele ‘Ticks’ zwischen Back und Lay sind.

Erst etwa 24 Stunden vor Spielbeginn nähern sich Back- und Laypreise zunehmend einander an. Oftmals gibt’s dann nur den einen notwendigen ‘Tick’ zwischen Back und Lay.

Das heißt nicht, dass da bereits irgendwelche Wetten gematcht sein müssen, jedoch kann man nun davon ausgehen, dass der Markt in Betfair sich eingepegelt hat. Der bei Buchmachern einkalkulierte Overround ist raus und die angebotenen Backquoten dürften nun allesamt höher sein als beim besten Buchmacher.

Sind Betfairs Preise ‘fair’?

Die Preise bei den Wettbörsen widerspiegeln nicht unbedingt immer die wahren Erwartungswerte (Wahrscheinlichkeiten). Sie sind ‘fair’ in Bezug auf die Preise im Markt, sind jedoch nicht unbedingt die tatsächlichen Nullquoten. Denn Buchmacher, wenn sie ihre Preise festlegen, berücksichtigen die erwartete Nachfrage. Und Preise bei Wettbörsen folgen zwangsweise Buchmacherpreisen (wie oben erläutert).

Beispielsweise setzen Buchmacher ihre Wettqoten für emotional stark favoritisierte Teams oftmals weit unter deren wahren Preis an, während Underdogs recht häufig eine zu hohe Quote haben.

Jedoch Achtung! Dies ist eine ganz, ganz grobe Daumenregel. Letztendlich ist es notwendig immer jede Quote selbst nachzurechnen.

Zusammenfassung

Bei Wettbörsen findet man so gut wie ausnahmslos höhere Wettquoten. Es ist der Overround raus, und außerdem können Wettbörsenpreise nicht niedriger als Buchmacherquoten sein, da dies sofort Arbitrage darstellt.

Wettquoten bei Wettbörsen widerspiegeln nicht notgedrungen die ‘wahren’ Wahrscheinlichkeiten (= Erwartungen), da Preise in Wettbörsen stets den von Buchmachern gesetzten Wettquoten folgen, welche wiederum für Buchmacher ‘gewinnoptimiert’ festgesetzt werden.

Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel zum Verständnis der Preisbildung in Markt etwas helfen konnte und würde mich sehr über Kommentare freuen.


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Last Update: 19 Juni 2012

Kategorien:Buchmacher Wettbörsen



7 Responses to “Sind Wettquoten in Wettbörsen immer besser als bei Buchmachern?”

  1. Tobias
    13 Januar 2015 at 4:13 pm #

    Hallo,
    ich denke man sollte trotzdem auf eine Vergleichsseite z.B. Betbrain zurückgreifen.
    Wenn man sich mit der Materie auskennt, kennt man sich schon recht gut damit aus, und weiß in etwa wo die besten Qouten für die jeweilige Liga ist.

  2. Bernhard
    22 Juni 2012 at 3:07 pm #

    Hallo Fußballwitwe,

    So genau wollte ich zwischen den verschieden Begriffen nicht differenzieren, aber „i can resist anything but temtation“ :-). Deine Unterscheidung von gewinnbringend und gewinnversprechend ist mir deutlich zu pragmatisch.
    OBdA betrachten wir doch einfach das Roulettespiel aus Sicht der Casinos. In der Vergangenheit war es offensichtlich gewinnbringend. Für die Zukunft kann dieses Spiel nur als gewinnversprechend angesehen werden (schließlich werden nicht alle Zahlen in jedem Spiel gleich häufig gesetzt!).
    Es besteht also eine endliche Wahrscheinlichkeit größer 0 dafür, dass die Casinos in Zukunft pleitegehen werden. Trotzdem würde ich gerne an der gewinnversprechenden Strategie der Bank beim Roulette partizipieren :-).
    Dieses „Gewinnversprechen“ liefert die Wahrscheinlichkeitstheorie, inklusive Erwartungswert und Varianz, Materialfehler und Betrugsversuche außen vor gelassen. Genau in diesem Sinne habe ich von gewinnversprechenden Ideen gesprochen. Ich möchte mir gerne dieses Versprechen von der Mathematik geben lassen:-).
    Das, was Du als gewinnversprechend definierst, würde bei mir eher in die Kategorie „Wunschvorstellung“ fallen:-), da diese Strategien nur von dem Wunsch geprägt sind Geld zu gewinnen, ohne eine solide Basis zu besitzen, warum dies auch funktionieren könnte.

    Viele Grüße

    Bernhard

  3. Bernhard
    21 Juni 2012 at 4:55 pm #

    Hallo Fussballwitwe,

    ersteinmal vielen Dank für Deine netten Begrüßungsworte.
    Es gilt in meinen Augen zwischen 2 Dingen zu unterscheiden. Das Basiswissen im Bereich Sportwetten ist sicherlich nichts geheimnisvolles. Du hast auf diesem Gebiet wirklich gute Artikel geschrieben. An einen dieser Artikel möchte ich Dich jedoch erinnern, wenn es um den anderen Aspekt von Sportwetten geht. Du schreibst in „Was ist ein MarketFeeder Trigger und wie entwickelt man diesen?“, dass man verrückt sein müßte eine funktionierenden Trigger zu veröffentlichen. Ich denke dies kann verallgemeinert werden. Keine Strategie, die wirlich gewinnversprechend ist wird im Internet veröffentlicht!!
    Und ehrlich gesagt möchte ich damit auch nicht anfangen:-)))

    Leider ist es aus diesem Grund auch schwierig über Projektideen zu diskutieren…
    Es gibt jedoch 3 Ideen auf diesem Gebiet, die ich gerne in einem eher kleineren vertrauensvollen Kreis analysieren möchte:-).

    Viele Grüße

    Bernhard

    P.S. Ich kenne eine deutsche Mathematikerin, die nach England gezogen ist und dort einen glühenden Manufan geheiratet hat. Beide sind vor Allem in der Bridgezene bekannt. Ich nehme an, dass Du mit Bridge nichts am Hut hast?!

    • Soccerwidow
      21 Juni 2012 at 5:39 pm #

      Es gibt einen Riesen Unterschied zwischen einer Strategie, die gewinnversprechend ist und einer die gewinnbringend ist. Ich wage hier einfach mal die Behauptung aufzustellen (will natürlich niemandem auf die Füße treten), dass die absolute Mehrheit derjenigen, die sich mit Sportwetten beschäftigen, jede Menge gewinnversprechende Strategien haben und nur ein ganz klitzekleiner Anteil der hoffnungsvollen Goldgräber es tatsächlich bis zum Stadium einer gewinnbringenden Strategie gebracht hat.

      Warum sollte man gewinnversprechende Strategien nicht hier im Blog diskutieren? Davon gibt es Millionen, jeder Goldgräber hat seine eigene(n). Man kann gegenseitig von Erfahrung lernen, wie in einer Selbsthilfegruppe 😉

      Gewinnbringende Strategien sind natürlich eine andere Liga. Falls es jemandem tatsächlich gelungen ist, die eierlegende Wollmilchsau zu finden… ??

      Desweiteren hat jeder Goldgräber seine persönlichen Präferenzen, seine eigenen Schatten, über die es zu springen gilt. Ich muss ja nur meinen Mann beobachten.

      Es ist mir gelungen, zwei gewinnbringende Strategien zu entwickeln (die eine sind die Picks, die hier im Blog vorgeführt werden, nach der anderen muss man aber nicht suchen). Ich muss jedoch immer ein Auge auf die Picks werfen, weil mein Mann sich oftmals nicht an die gesetzten Kriterien hält.

      Beispielsweise gibt es das Kriterium, dass wenn mehr als 5 Ticks zwischen Back- und Laypreis sind, man den Mittelwert benutzt. Mein Mann nimmt jedoch immer den Laywert, da er die Garantie haben will, dass die Wette gematcht wird. Dass dies dem Value-Konzept widerspricht, darüber denkt er in solchen Momenten nicht nach. Es ist schwierig, selbst den eigenen Mann zu disziplinieren, welche Chance haben denn dann all die anderen vielen Goldgräber?

      P.S. Nein, ich spiele nicht Bridge. Ich kenne nicht einmal die Regeln 🙂

  4. Bernhard
    21 Juni 2012 at 2:57 pm #

    Hallo Fußballwitwe,

    zuerst einmal, ich bin gestern auf Deine Seite gestossen und finde sie wirklich gut :-).
    Allerdings, möchte ich den Eintrag bezüglich der besseren Wettquoten doch etwas korrigieren. Mir ist klar, dass ich Dir nicht Neues erzähle, aber ich glaube dem weniger mit der Materie vertrauten Leser könnte ein falsches Bild entstehen.
    Natürlich sind die meisten Quoten aller Buchmacher schlechter als die Quoten von betfair. Doch sollte erwähnet werden, dass dies für Jemanden der auch nur halbwegs professionell wettet aus 2 Gründen fast egal ist.
    Der erste Grund leigt darin, dass eben die wenigen Quoten die außerhalb des Betfairranges liegen gerade häufig die interessanten Quoten mit Value sind!
    Der zweite Grund, von Dir auch schon in einem Artikel zu recht moniert, die realen Quoten von Betfair, vor allem für einen sogenannten „Premium-User“ liegen aufgrund verschiedener Abzüge deutlich unter den Quoten von guten Buchmachern. An erster Stelle sei hier Pinnaclesports genannt.
    Zum „triggern“ und Glattstellen vor Spielbeginn mag Betfair noch interessant sein, für das Platzieren von Wetten die bis zum Ende gehalten werden, ist betfair definitiv nicht das Mittel erster Wahl 🙂 !
    Wenn Du Dich näher mit mir über diese Dinge unterhalten möchtest würde ich mich über eine Mail an die Dir bekannte Mailadresse freuen.

    Viele Grüße

    Bernhard

    • Soccerwidow
      21 Juni 2012 at 3:11 pm #

      Hallo Bernhard,
      Danke für Deinen Kommentar und es freut mich, dass Dir mein Blog gefällt.

      Ich bevorzuge, Diskussionen öffentlich zu führen, denn ich glaube nicht an sogenannte ‘Geheimnisse’ in Sportwetten. Ziel des Blogs ist, aufzuklären und zu zeigen, dass man mit Wetten gewinnen kann, dass das aber überhaupt nicht einfach ist und eine lange Lehrzeit und viel Wissen erfordert. Man avanciert ja auch nicht zum Arzt, nur weil man mal ein Medizinbuch in der Hand gehalten hat.

      Solltest Du Themenvorschläge zu Artikeln haben, oder gar selbst mit Artikel hier beitragen wollen, würde mich das sehr freuen. Dein Eintrag klingt nach Wissen. Artikel von Dir wären sicherlich eine große Bereicherung zu diesem Blog.

      Liebe Grüße,
      Fußballwitwe

  5. LennyK
    19 Juni 2012 at 9:50 pm #

    Arbitages zwischen Wettbörsen und Buchmachern lassen sich gerne in Livespielen finden. Ich hab das mal ne Zeitlang ein bisschen nebenher gemacht.
    Man muss aber verdammt schnell sein, weil die Quoten höchstens nur ein paar Minuten verfügbar sind. Meistens muss man innerhalb von ca 30 sec handeln.
    Gerade bei Mannschaften die nicht so bekannt sind, sind die Quotenschwankungenm nach einem Tor, zwischen Börse und Buchmacher extrem krass.

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