Wetten auf ein Portfolio


Viele Leute, wenn sie an Sportwetten denken, verbinden damit reines Glücksspiel, so wie Lotto oder Roulette.

Ich kann da allerdings nur bedingt zustimmen: Auch wenn ich grundsätzlich zustimme, dass Fußballergebnisse Zufallsreihen sind, lassen sich Ergebnisse von Fußballspielen im Gegensatz zu Lotto und Roulette kalkulieren und mit einer ziemlich großen Genauigkeit vorhersagen. Außerdem gibt es bei Fußball nur drei Ergebnisse (Heim/ Unentschieden/ Auswärts) bzw. sogar nur zwei (Über/Unter) im Gegensatz zu Lotto, welches 45 Zahlen hat oder Roulette mit 36 (+1) zufällig möglichen Ereignissen.

Meine Picks vom 12.2., 19.2. und 26.2. haben auch praktisch gezeigt, dass statistisch korrekte Vorhersagen möglich sind: insgesamt 21 Picks mit 18 Treffern! 85,7%.

Das ist kein Zufall und hat auch nichts mit Glück zu tun. So wie man im Aktienmarkt gewinnbringende Aktien auswählen kann und voraussagen, ob Kurse eher steigen oder fallen werden, so kann man das auch mit Fußballergebnissen. Genauso wie im Aktienmarkt, kann selbstverständlich der Markt sich auch durchaus mal entgegen Erwartungen entwickeln, und natürlich so auch Fußballergebnisse.

Finanzanalyse von Aktienmärkten wird an Universitäten unterrichtet; Fußballwetten nicht. Jedoch je mehr ich mich mit Wetten und dahinterliegender Statistik beschäftige, desto mehr Parallelen sehe ich.

Portfolio/ Einsatzplan

Das Geheimnis von langfristigem finanziellen Erfolg im Aktienhandel und mit Optionsscheinen ist nicht unbedingt, dass man stets die richtigen Aktien und Optionsscheine kauft. Eine Auswahl guter Aktien und Optionsscheine hat selbstverständlich einen Einfluss auf die Höhe der Gewinnmarge, jedoch nicht unbedingt auf langfristigen finanziellen Erfolg. Das selbe gilt für Wetten.

Gute Picks führen selbstverständlich zu besseren, höheren und schnelleren Gewinnen, aber viel wichtiger ist der Einsatzplan (im Aktienhandel hochwissenschaftlich Portfolio genannt).

Einem professionellen Aktienhändler würde nicht im Traum einfallen, sein gesamtes Geld auf nur eine Aktie zu setzen. DAX, MDAX, TecDAX und wie die alle heißen, haben alle wenigstens 30 Firmen im Portfolio, DAX 100 enthält 100 Firmen.

Warum wird das gemacht?

Die Antwort liegt auf der Hand: Um Risiko zu reduzieren (zu streuen), falls sich die eine oder andere Aktie in die falsche Richtung entwickelt. Und selbst, wenn es mal einen Börsenkrach gibt, keiner der Fonds und Indexes fällt jemals auf Null.

Auf Wetten übertragen, heißt das, dass man niemals sein ganzes Geld auf eine einzelne Wette setzen darf, egal wie sicher diese erscheint. Man muss immer auf ein Portfolio wetten.

Was ist ein Portfolio?

Wikipedia definiert ein Portfolio wie folgt: Die Finanzwelt versteht unter Portfolio ein Bündel von Investitionen, das im Besitz einer Institution oder eines Individuums ist. Dem Aufbau eines Portfolios geht in der Regel eine umfangreiche Analyse voraus. Ein Portfolio zu besitzen ist in der Regel Teil einer Strategie, die Risiken finanzieller Investitionen durch Streuung zu senken.

Übersetzt in Wettsprache: Ein Portfolio ist ein Bündel an Wetten, welchen eine umfangreiche Analyse vorausgeht und dies ist Teil der Gesamtstrategie, um das Risiko der Wetten durch Streuung zu senken.

Schauen wir jetzt auf die Auswahl meiner Picks vom 19.02.2011 als Beispiel; ich hatte in meinem Portfolio folgende Wetten:

2x Lay Away eines schwachen Teams im Premiership:
Premiership: Aston Villa vs Blackburn –> Lay Away (5.3)
Premiership: Wolves vs Backpool –> Lay Away (4.8)

2x Back Wetten zu Wettquoten zwischen 3.35 und 3.5:
Premiership: Wigan vs Manchester –> Back Over 3.5 (3.35)
Championsleague: Hull vs Cardiff –> Back Draw (3.5)

1x Lay Wette eines Unentschieden:
Championsleague: Barnsley vs Norwich –> Lay Draw (3.4)

3x Lay Wetten Heimmannschaft gleichstarker Teams:
Championsleague: Doncaster vs Watfort –> Lay Home (2.84)
Championsleague: Middlesbrough vs QPR –> Lay Home (2.88)
Championsleague: Millwall vs Nottingham Forest –> Lay Home (2.62)

All diesen Picks war eine umfangreiche Analyse (Trends und Value Bets) vorausgegangen und das Ergebnis war, dass 7 von meinen 8 ausgewählten Picks gewonnen haben. Selbst wenn nur 5 (62.5%) von den Wetten gewonnen hätten, wäre mein Gewinn immer noch 10% gewesen. Bei einer nur 50%igen Trefferquote wäre der Verlust auf 10% der Bank reduziert gewesen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass alle 8 der ausgewählten Picks verlieren, lag bei 0,0026% (1 zu 38.428). Die Wahrscheinlichkeit, dass alle 8 Picks gewinnen, lag bei 3,53% (1 zu 28). Die Wahrscheinlichkeit dass mindestens 7 von den 8 Picks gewinnen, lag bei 20,77% (1 zu 4.8).

Übersetzt in Allgemeinverständis heißt das, vorausgesetzt dass meine Trendanalysen und Kalkulationen der Wahrscheinlichkeiten der Ereignisse korrekt sind (ich kann mich natürlich auch hin und wieder mal verrechnen; Fehler sind niemals ausgeschlossen), statistisch gesehen, dass mit diesem Portfolio an jedem 27. Wochenende alle 8 Picks gewinnen würden und im Schnitt jedes 5. Wochenende 7 von 8 richtigen Picks haben würde.

Für diejenigen, die Nachrechnen möchten, die Wahrscheinlichkeiten waren wie folgt:

Aston Villa vs Blackburn –> Lay Away (84.69% Blackburn nicht zu gewinnen)
Wolves vs Backpool –> Lay Away (84.69% Backpool nicht zu gewinnen)
Wigan vs Manchester –> Back Over 3.5 (38.24%)
Hull vs Cardiff –> Back Draw (37.27%)
Barnsley vs Norwich –> Lay Draw (81.07% kein Unentschieden)
Doncaster vs Watfort –> Lay Home (75.28% Doncaster nicht zu gewinnen)
Middlesbrough vs QPR –> Lay Home (75.28% Middlesbrough nicht zu gewinnen)
Millwall vs Nottingham Forest –> Lay Home (75.28% Millwall nicht zu gewinnen)

Multipliziert man alle Wahrscheinlichkeiten, also 84.69% x 82.69% x 38.24% usw. kommt man auf 3,53%, d.h. auf die Wahrscheinlichkeit, dass alle 8 voneinander unabhängigen Ereignisse eintreten (d.h. also alle 8 Wetten gewinnen).

Das Gegenteil, also die Wahrscheinlichkeit, dass alle der 8 ausgewählten Wetten verlieren war: 15.31% (1 minus 84.69%) x 15.31% (1 minus 84.69%) x 61.76% (1 minus 38.24%) usw. = Ergebnis: 0.0026%.

Somit war die Chance, dass alle 8 der ausgewählten Wetten gewinnen 1,350 mal höher als dass alle der 8 ausgewählten Wetten verlieren (38.428 geteilt durch 28 bzw. 3.53% geteilt durch 0.0026%).

Und so kann man auch alle anderen Wahrscheinlichkeiten berechnen und sein Portfolio entsprechend organisieren, aber eine genaue Erklärung von Wahrscheinlichkeitsrechnung würde den Artikel wie auch den Blog sprengen.

Ich kann, wie immer, nur jedem ans Herz legen, seine verschütten Mathekenntnisse aus der Schublade zu holen und anzufangen, sich mit Prozentrechnung, Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung zu beschäftigen.

Meine Mathe-Bibel, welche ich überallhin mitnehme, stets im Gepäck habe und immer wieder als Referenzbuch benutze ist: Kleine Enzyklopädie Mathematik. Dieser Link führt zu einer 1986er Ausgabe, mein persönliches Buch ist aber noch vor meiner Geburt und datiert 1968!


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Last Update: 27 Februar 2011

Kategorien:Bank Management Orientierungshilfe Wettratgeber



7 Responses to “Wetten auf ein Portfolio”

  1. Roman
    18 Juni 2015 at 8:38 am #

    Hi Fussballwitwe,

    ich habe mal eine mail von Robert erhalten. Es geht um Portofolio für neue Generation euren wunderbaren Tabellen. Viel Arbeit und sehr beeindruckend! Ich habe eine Frage zu den Spielen zwischen Portofolio Teams. Z.B. Team A HS tritt auf Team B AS. Usw. Gibt es mehrere Varianten solchen direkten Begegnungen zweier Portofolio-Teams aus der gleichen LIga. Bei einem breitem Portofolie gäbe es erhebliche Zahl von solchen „Überkreuzung“-Begegnungen zweier value-Teams
    .Wie sollte man vorgehen? Beide mit festgelegtem für Portofolio Fix-stake so wie in allen anderen Fällen zu spielen? Oder auf DC, in dem Fall DC1/2 gehen? Wenn ja, dann mit doppelten Einsatz oder?

    Was wäre aus soccewidow- Sicht in solchem Fall korrekt?

    Vielen Dank in voraus!
    LG Roman

    • Soccerwidow
      18 Juni 2015 at 9:50 am #

      Hi Roman, die HDA Simulationen sind ein Projekt von meinem Mann, d.h. es ist besser, wenn du mit ihm kommunizierst und ihm Fragen stellst, und nicht mir. Nun ist er „leider“ Englisch, und sämtliche Information dazu gibt es daher nur auf Englisch.

      Hier geht´s zum englischen Blog: ARCHIVE: 1X2 BETTING

      Frage ihn per Kommentarfunktion, was immer du wissen willst. Angenehmer Nebeneffekt: Verbessere dein Englisch 🙂

  2. LennyK
    29 März 2012 at 10:04 pm #

    Ja, das ist eine gute Herangehensweise. Nach dem Wochenende werde ich ca 50 Spiele beisammenhaben und dann werde ich mal ausrechnen wie erfolgreicvh ich wäre, wenn ich deinen Level.Risiko Einsatzplan verfolgt hätte.
    50 Wetten sind noch nicht viele, aber man kann schonmal eine kleine Übersicht bekommen.
    Ich hoffe http://www.football-data.co.uk/ nimmt zum Sommer ein paar amerikanische Länder mit auf, sodass man in der Sommerpause nicht auf dem Trockenen sitzt 😀

  3. Soccerwidow
    29 März 2012 at 9:52 pm #

    Hi Lenny, ich bin noch nicht dazu gekommen mal alle verschiedenen Einsatzpläne gegeneinander aufzustellen und miteinander zu vergleichen. Vielleicht mache ich das jetzt, nachdem ich 38 Artikel bei Betfair veröffentlicht habe mit insgesamt 109 Wetten. Das ist eine gute Gelegenheit, mal tiefer in die Materie zu schauen.

    Ich benutze einen Level-Risiko Einsatzplan, d.h. immer dasselbe Risiko/ Gewinn bei jeder Wette. Ich habe keine Ahnung, ob dieser irgendwo in der Literatur beschrieben ist und wie der heißt; funktioniert aber ausgezeichnet und ist sehr stabil.

    Hat man beispielsweise eine Back-Wette zum Preis von 2,5, dann ist der Einsatz 10 € geteilt durch 1,5 = 6,67 €. Gewinnt die Wette, gewinnt man 10 € und verliert die Wette, beträgt der Verlust 6,67 €. Ist es eine Lay-Wette, dann layed man 6,67 €, um 6,67 € zu gewinnen und der Verlust ist auf 10 € limitiert.

    Der Einsatz wird prozentual im Verhältnis mit dem Wachsen der Bank erhöht.

    Zu Deiner anderen Frage: Portfoliowetten ist natürlich die sicherste Herangehensweise, das aber setzt voraus, dass man die Zeit hat, die dafür benötigte Anzahl an Spielen auszuwerten. Was ich festgestellt habe, ist, dass er nicht ausreicht, einfach nur eine starre Formel durchlaufen zu lassen, man macht das, um die Value Wetten zu finden, muss sich dann aber jedes Spiel nochmal einzeln betrachten, Tendenzen berücksichtigen und die konkrete Wettauswahl treffen. Es ist enorm schwierig, 8-10 Spiele für einen Tag auszuwerten und daher wette ich derzeit nur auf meine eigenen Betfair Empfehlungen. Das Leben besteht nicht nur aus Fußball! Es ist gerade schönes Wetter, falls Du das schon mitgekriegt hast hinter deinem Computer, und ich hab’ beispielsweise einen Garten am Haus 🙂

  4. LennyK
    29 März 2012 at 9:30 pm #

    Das Moneymanagement ist mindestens genauso wichtig wie die Pickauswahl.
    das übersehen leider immernoch viele.
    Wenn du wettest, machst du dir immernoch ein portfolio von z.B. 8 oder 10 Spielen?
    Ich berechne meinen Einsatz nach kelly:
    (Quote * Wahrscheinlichkeit) –1 / (Quote – 1) * Gesamtguthaben (und davon 1/3)
    Hälst du das für Sinnvoll?

  5. Soccerwidow
    4 März 2011 at 7:37 am #

    Um die Picks auszuwaehlen, werte ich jeweils drei Jahre Spielergebnisse und Buchmacherquoten fuer die jeweilige Gruppe an Spielen aus (quotenmaessig). Meist sind das 100 bis 200 Spiele in einer Gruppe zum Auswerten und die in den letzten Wochen veroeffentlichten Picks fuer die Wochenenden beinhalteten ausschliesslich Spiele von Clustergruppen, welche eine maximale Varianz von 5% hatten.

    Du hast recht, 21 Picks ist eine viel zu kleine Samplerate, um Erfolge zu feiern, daher ist auch meine Bank immer noch klein und ich erhoehe nicht…

  6. Kay
    3 März 2011 at 11:08 pm #

    „21 Picks mit 18 Treffern! 85,7%.“

    Ist das nicht eine viel zu kleine Samplerate? Die Varianz spielt ja hier noch brutal mit rein.

    Ich denke man sollte es über mindestens 1000-5000 Wetten auswerten um ein Aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten.

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